Nov 06 2008
Möglichkeiten der Nitratreduktion im Aquarium
Das Aquarium ist kein geschlossenes System. Neben Energie (Umwälzung, Heizung und Licht) führen wir Futter zu. Dieses Futter wird von Fischen und Bakterien in einem funktionierenden Becken irgendwann zu Nitrat. (Naja ein wenig Phosphat vielleicht noch, aber darum gehts jetzt nicht.) Wenn der mehrstufige Umwandlungsprozeß nicht bis zum Nitrat erfolgt hat man ohnehin ein gröberes Problem, aber auch das soll jetzt nicht das Thema sein.
Irgendwann reichert sich auf jeden Fall Nitrat so stark im Wasser an, dass an diesem Zustand etwas geändert werden muß. Während früher Nitrat als eher unbedenklich oder guter Pflanzendünger angesehen wurde neigen heute viele Aquarianer zur Meinung, dass ein Nitratwert von 30mg/l schon zu hoch ist. (Im Trinkwasser darf übrigens bis zu 50mg/l enthalten sein.) Sah man früher den Hauptgrund warum man Nitrat überhaupt los haben will, das Algenwachstum, so zählen mäßige Nitratwerte heute zur guten Fischpflege. Nebenbei reagieren auch Pflanzen nagativ auf zu hohe Nitartwerte. Derzeit wird also ein Nitratwert um die 30mg/l schon als hoch betrachtet. In natürlichen Gewässern ist Nitrat praktisch nicht nachweisbar.
Während es manchmal durch Einflüße wie einen verottenden Fisch oder Massensterben von Schnecken etc. zu rasantem Ansteigen des Nitartwertes kommen kann, steigt unter normalbedingungen der Nitratwert recht konstant. Am Ende setzt üblicherweise ein Wasserwechsel dem ganzen ein Ende. Heute wird mitunter auch das eine unwirksame Methode, weil in manchen Gegenden Leitungswasser schon Nitartwerte hat, die Grund für einen Wasserwechsel wären. Hier will ich aber mal Möglicheiten suchen, die er erlauben das Aquarienwasser zu verbessern, oder den Anstieg von Nitrat zu verlangsamen.
Chemische Methoden
Die Chemie ist ein guter Helfer im alltäglichen Nitratkampf. Wichtigste Methode sind Ionentauscherharze. Hierbei handelt es sich um Harze, die in der Lage sind Nitrat (meist auch Nitrit und andere “Aquarianerfeinde”) zu binden. Im Gegenzug geben sie ein “unschädliches” Ion ab. Meistens funktionieren diese Harze mit Kochsalz, so dass sie Nitrat dem Wasser entziehen, das Wasser jeodch dadurch salziger wird. Salz ist aber in deutlich höheren Konzentrationen als Nitrat vertretbar, wodurch der Ionentausch schon Sinn macht, es ist aber trotzdem nicht möglich deutlich seltener Wasser zu wechseln. Das Harz kann üblicherweise mit Kochsalz regeneriert werden und ist so prinzipiell beliebig lang einsetzbar. Es kann natürlich (neben Osmose) auch verwendet werden um Frischwasser vor dem Wasserwechsel zu verbessern. Problem kann sein, dass die Harze auch andere Ionen binden. Besonders bei anspruchsvollen Weichwasserfischen kann dies zum Problem werden. Obwohl die Harze als “Nitratselektiv” bezeichnet werden (heute sind sie sogar “hochselektiv”
scheinen sie doch zeitweise nicht ganz so wählerisch zu sein, bei der Ionenwahl.
Pflanzen
Pflanzen “verbrauchen” Nitrat, wenn sie wachsen. Man kann also einfach sagen: Je mehr Pflanzenwuchs, desto weniger Nitrat. Um jedoch den im Aquarium anfallenden Nitratmengen Herr zu werden braucht man schon recht viele Pflanzen. Am besten eignen sich schnellwachsende Pflanzen wie Stängelpflanzen oder auch Schwimmpflanzen wie Wasserlinsen. Vorteil an der Pflanzentechnik ist, dass auch gleich Phosphate mit abgebaut werden. So wäre theoretisch, beim richtigen Pflanzen – Tierverhältnis ein biologisches Gleichgewicht denkbar. (Leider würde dann aber der Minifisch im Pflanzengewirr vereinsamen.)
Eine ganz gewitzte Methode ist der EInsatz von “externen” Pflanzen. Bewährt hat sich die so genannte Efeutute, die einfach mit den Wurzeln ins Becken gehängt wird und so einen recht dekorativen Dschungel über dem Aquarium bilden kann. Natürlich kann man auch in ein Filterbecken, das von Aquarienwasser durchflossen wird, Pflanzen setzen. So verbessert man das Pflanzenmenge-Tiermenge Verhältnis etwas.
Bakterien
Auch Filterbakterien können Nitrat zu unschädlichem Stickstoff umwandeln. Das machen sie sogar ganz freiwillig, sobald sie keinen Sauerstoff mehr zum atmen haben. Hier liegt auch das Problem der Nitratfilter. Aquarienwasser hat üblicherweise sehr viel Sauerstoff (und das soll auch so sein). Man muss also erst den Sauerstoff aus dem Wasser entfernen, bevor die Bakterien beginnen Nitrat zu veratmen. Aus diesem Grund arbeiten alle Nitratfilter sehr langsam. Das Wasser muss erst lange im Filter verbleiben bis der Sauerstoff so weit aufgezehrt ist, dass das Nitrat an die Reihe kommt. Trotzdem gibt es einige Nitratfilter.
Einen sehr einfachen Selbstbaufilter gibt es bei Olaf Deters. Der Filter arbeitet aber erst bei Nitratmengen effizient, die man seinen Fischchen nicht mehr zumuten sollte. Ist aber vom Wirkprinzip her ein sehr einfacher Filter.
Ein beeindruckenes Teil ist der Wodkafilter. Im Prinzip nicht schwer nachzubauen und von der Wirkweise her verständlich ist er aber wohl doch etwas für enthusiastische Bastler, vor allem weil dabei auch einiges passieren kann, was ein noch so hoher Nitratgehalt nicht anrichten kann…
Ein anderes Modell, das mit Essigsäure als Nährmittel arbeitet hat Harald Hecke entwickelt. Ein Filter der im Eigenbau 400 Euro kostet, doch einiges an Platz und Handlingzeit verschlingt und dann 50 Liter “nitratfreies” Wasser täglich bringt? Naja, da stellt sich die Frage, ob nicht ein automatisches Wasserwechselsystem billiger und besser ist…
Es gibt noch unzählige Selbstbau aber auch Kauffilter. Im Prinzip haben sie aber alle die selben Macken, weil sie auch alle nach dem selben Wirkprinzip arbeiten. Also auch nicht die richtig optimale Lösung.
Die bakterielle Denitrifikation kann auch im Bodengrund stattfinden. So berichten Aquarianer, dass durch einen relativ feinen und gut eingefahrenen Bodengrund die Nitratwerte konstant recht niedrig bleiben. Hier scheint also der Bodengrund so langsam durchströmt zu werden, dass Denitrifikation stattfindet. Allerdings kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass viel Bodengrund und viel Mulm keine Garantie sind, dass das funktioniert
Alles im Allem haben doch alle Methoden große Nachteile. Je nach Technikbegeisterung kann man so einiges ausprobieren. Als Durchschnittsaquarianer liegt man aber vielleicht ganz gut, wenn man folgendes beachtet:
1. mäßiger Besatz
2. wenig füttern
3. viele Pflanzen, schnellwachsend
4. gute Filterung (am besten HMF)
5. ein gesunder Bodengrund mit Mulm und Bakterien
Naja und dann muß man halt trotzdem immer noch
6. Wasserwechseln
Diese Beiträge interessieren dich vielleicht auch:




