Nov 14 2008
Wasserwechsel mit Leitwertmeßgerät
Das Leitwertgerät ist ähnlich wie ein Geschirrspüler oder ein Staubsauger. Also ein Gerät, dass man nicht mehr hergibt wenn man mal eins hatte. Der Leitwert ist im Prinzip recht einfach zu messen, weshalb die Geräte auch zu recht vernünftigen Preisen zu haben sind. Im großen Auktionshaus gibts Geräte so ab 30 Euro. Ich selber habe ein sehr günstiges Gerät von Conrad und bin vollauf zufrieden.
Der Leitwert von Wasser wird größer, wenn mehr Ionen (bzw. Salze) enthalten sind. Destilliertes Wasser hat einen Leitwert von beinahe 0. Wasser aus der Osmoseanlage sollte nicht über 20 Mikrosiemens/cm haben. Höhere Leitwerte sagen aus, dass mehr Ionen gelöst sind. Leider kann man keine Aussage treffen, um welche Ionen es sich handelt. Der Leitwert kann somit über Wasser das man nicht “kennt” nur wenig Aussagen machen. Verwenden kann man das Leitwertgerät allerdings um sein eigenes Wasser zu beurteilen und festzulegen wann Wasserwechsel notwendig ist. Nachdem ich von der Sorte bin, die zwar ideale Bedingungen für die Fischlein bieten wollen, aber ungern mit diesen Tröpfchentests rumkleckern und ungern Wasser wechseln ist das Leitwertgerät mein bester Freund.
Das Gerät hält man ins Aquarienwasser und wartet einige Zeit bis sich der Wert stabilisiert. Das Gerät muß temperaturkompensiert sein, alles andere ist Blödsinn. Angezeigt wird der Leitwert in Mikrosiemens / cm (meist einfach Mikrosiemens genannt).
Zu Beginn ist es sinnvoll sich seine persönlichen Leitwerte zu erarbeiten. Man mißt den Leitwert des Leitungswassers und hat somit mal sein “theoretisches Minimum”. Tatsächlich hat man im Aquarium selbst nach 100% Wasserwechsel oft auch höhere Werte, weil ja genug “Dreck” auf der Einrichtung, am Bodengrund etc. vorhanden ist, und ein Teil sofort gelöst wird. Bei anderen Becken wird der Leitwert sogar geringer als das Leitungswasser. (Sehr wenig Besatz, Schnecken, Einrichtung die das Wasser weicher macht etc.) Dann kann man daran gehen bei seinen Becken Leitwerte zu messen und zu notieren. Beispielsweise den Leitwert nach einem richtig großen Wasserwechsel, den Leitwert nach einer Woche. Parallel dazu kann man auch Nitrat messen und so hat man recht schnell ein Gefühl dafür wie der Leitwert sich im Laufe der Zeit entwickelt und was das für die Wasserqualität bedeutet. Ich habe so für jedes Becken einen ungefähren Wert, bei dem ich Wasser wechsle. Nach grossen Wasserwechseln messe ich, ob die Werte aktuell sind, weil sich die Leitwerte mit dam Alter des Beckens auch ändern können.
Als groben Anhaltspunkt kann man aber auch einen großen Wasserwechsel machen (min. 90% des Wassers), dann messen und einfach seine “Wasserwechselgrenze” auf diesen Wert plus 25% setzen. Ich hab es von Becken zu Becken etwas unterschiedlich, weil bei Weichwasser z.b. die 25% viel schneller erreicht sind, als bei hartem Wasser usw. In einem Becken wechsle ich bei 500 Mikrosiemens, obwohl mein Leitungswasser 300 hat. Andere Becken wechsle ich mit 290, weil der Leitwert nie ansteigt.
Hier gibt es auch die ersten Unzulänglichkeiten der Methode.
1. Bei extrem harten Wasser sind die Leitwertänderungen nicht mehr besonders aussagekräftig. Ich hab Wasser mit GH 10 und bin aber vollauf zufrieden. Wie es in einem Tanganjikabecken mit GH25 aussieht, kann ich nicht sagen.
2. Manche Stoffe wie Phosphate erhöhen den Leitwert nur minimal, andere (wie Salz) sehr stark.
3. Wer z.B. gerne Salz ins Becken gibt, oder auch Wasseraufbereitungsmittel und diese Mittel bei Wasserwechsel eher nach Gefühl dosiert, bei dem wird auch der Leitwert entsprechend weniger aussagen. Abhilfe schafft messen nach dem Salzen.
Trotzdem ist es eine Möglichkeit von der 50% pro Woche Regel wegzukommen, und manchmal auch deutlich weniger Wasser zu wechseln. Sollte das Wasser mal dahingammeln, weil der Sohn wieder mal etwas tief ins Futterdoserl gegriffen hat oder ein Fisch versteckt verottet, so merkt man das auch sehr schnell.
Für mich hat sich die Methode als hervorragend herausgestellt. Die paar Euro ins Leitwertgerät sind echt gut investert !!! Und Tröpfchentests brauch ich jetzt dafür entsprechend weniger.
Für besonders Begeisterte sind noch weitere Spielereien möglich. “Härte” hat einen Leitwert von ca. 33. Das ganze hängt davon ab in welcher Zusammensetzung welche Salze die Härte bilden, aber man kann 33 als durchschnittlichen Näherungswert nehmen. Hat man also Leitungswasser mit einem Leitwert von 200, so weiß man, dass die Gesamthärte maximal 6 sein kann (200:33). Normalerweise wird die Härte weniger sein, den restlichen Leitwert verursachen andere Verunreinigungen.
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