Feb 03 2009
Selbst gebaute Steine & Rückwand
Etwas ausführlicher will ich die Bauarbeiten für mein neuestes Becken beschreiben. Es handelt sich um eine “Rückwand” und einige Steine in einem Tanganjikabecken. Das Becken soll eigentlich ein Schneckencichlidenbecken werden, aber ein wenig möchte man das ganze ja doch auflockern. Mir schwebt daher eine Rückwand vor, die ca. die Hälfte der rückseitigen Fläche bedeckt. Testhalber mache ich noch 1-2 “Steine”, die aber je nach Erfolg dann eventuell auch durch richtige Steine ersetzt werden.
Beschreibungen von Rückwänden gibt es ja wie Sand am Meer. Was mir aber nie daran gefallen hat ist, dass diese Dinger unendlich Auftrieb haben und ordentlich mit Silikon festgeklebt werden müssen, damit sie nicht plötzlich aufschwimmen und das Becken verwüsten. Ich hab also beschlossen “Steine” zu bauen, die etwas negativen Auftrieb haben und selbständig zu Boden sinken.
1. Styroporformen bauen
Ich hab meine “Formen” aus altem Baustyropor gebaut. Dazu hab ich einfach aus Platten Stücke gebrochen und zusammengesetzt. Hier muß man sich überhaupt keine Mühe geben. Das kann ganz grob sein und richtige Ecken haben, die werden einfach später gefüllt. Ich hab meine Teile nicht mal verbunden sondern nur aufeinandergelegt. Von den Hauptformen gibts leider keine Bilder, aber vom Stein mit den 2 Höhlen und vom Vulkan. (Den 2 Höhlenstein hat mein 5 jähriger Sohn gemacht. Die Form ist gebrochen, was aber auch egal ist.)
2. erster Überzug
Beim ersten Überzug geht es vor allem darum eine nette Form zu bilden und die Styroporteile zu verbinden. Ich habe Fliesenkleber verwendet. Im Prinzip kann man aber auch jede Zementmischung verwenden. Fliesenkleber hat eine super Konsistenz, trocknet sehr langsam und ist spottbillig. Für meine ganzen Teile hab ich ca 10% eines 25kg Sacks gebraucht und der Sack hat 4 Euro gekostet. Beim Fliesenkleber kann man das billigste nehmen was man bekommt. Nachdem das ganze etwas halten soll, hab ich aber eher dick aufgtragen (min. 1cm) und mehr oder weniger flächendeckend Streifen aus Glasfasergewebe eingelegt. Das Gewebe verwendet man zum Einspachteln bei Vollwärmeschutzfassaden. Der m2 kostet einen Euro. Es besteht aus Glasfaser, die extrem reißfest ist. Ich hab mir Streifen mit ca. 3×20cm geschnitten und überall überlappend eingelegt und mit Fliesenkleber beschmiert. Wenn noch was rausschaut ist das halb so wild, das verdeckt man dann beim 2. Auftrag. Aufgetragen hab ich hauptsächlich mit einem Malerpinsel, den Fingern und einer kleinen Spachtel.
Fliesenkleber braucht relativ lange, bis er trocknet, was bei der Verarbeitung sehr angenehm ist. Den ersten Auftrag sollte man also schon 2-3 Tage liegen lassen, damit auch die dicken Stellen (und wenn ich eine ordentliche Kante überdeckt habe, dann war der erste Auftrag durchaus stellenweise 5 cm dick.) halbwegs trocknen.
2. Autrag
Beim 2. Autrag des Fliesenklebers hab ich eher dünnflüssig angemischt und mit etwas schwarzer Farbe ein wenig dunkel eingefärbt. Als Farbe verwendet man die Abtönfarben aus dem Baumarkt, mit denen normale Wandfarben eingefärbt werden. Mit diesem Auftrag gibt man dann noch ein wenig Struktur, Farbe und deckt rausschauendes Gittergewebe ab. Ich hab ein paar Versuche mit Sand überstreuen gemacht um eine andere Struktur zu erreichen.
Das ganze wieder mehrere Tage trocknen lassen.
3. Auftrieb weg nehmen
Die “Steine” haben enormen Auftrieb. Um das zu ändern muß ein Großteil des Styropors wieder entfernt werden. Wenn man jetzt das Styropor rauskratzt etc. hat man eine gute Chance das ganze Ding zu zerbrechen. Man kann aber Styropor mit Aceton ausflösen. Das hab ich aus der Trickkiste der Surfbrettbauer, die früher beim fertigen Bord oft das Styropor rausgelöst haben um es noch leichter zu machen. Man bestreicht also die Styroporseiten großzügig mit Aceton und beobachtet beeindruckt wie das Styorpor verschwindet. Hier muß man relativ viel des Styropors entfernen, damit die DInger dann wirklich absinken. Ich hab im oberen Teil immer etwas Styropor gelassen, der dann nach oben zieht. So stehen die Teile dann automatisch aufrecht.
4. Wässern
Zement (und auch Fliesenkleber ist nix anderes als eine Zementmischung) braucht sehr lange bis er wirklich aushärtet. Zement trocknet nicht wie viele glauben, sondern er härtet aus, auch unter Wasser. In dieser Aushärtungszeit beeinflußt er die Wasserqualität doch beträchtlich. Man muß daher das ganze Teil ordentlich wässern. Ich hab den ph Wert regelmäßig kontrolliert & festgestellt, dass man in den ersten 14 Tagen fast unwirkliche Werte erreicht. Am Anfang hatte ich einen Ph Wert von mindestens 12. Das Wasser hab ich 2 Mal komplett gewechselt. Ich hab das ganze gleich im Aquarium gewässert, sollte man aber vielleicht besser in einer Regentonne etc. machen. Nach 14 Tagen war Härte und ph-Wert vernünftig (pH ca. 8, Härte zum Leitungswasser fast unverändert. Den Leitwert kann man nicht hernehmen, weil der komischerweise sogar sinkt ???) Jetzt hab ich das Becken eingerichtet und eingefahren. Etwas mit Filterschlamm angeimpft, altes Aquawasser aus einem anderen Becken rein und ein wenig angefüttert. Weitere 14 Tage und einen weiteren kompletten Wasserwechsel später hab ich mich getraut die ersten Fische einzusetzen. In dieser Zeit hänge ich immer einen alten Innenfilter aus einem Malawibecken dazu, der kommt wieder raus. Das Becken wird wie alle meine Becken nur mit Hamburger Mattenfilter betrieben.

Das Endergebnis - der Innenfilter ist nur Übergangsmäßig im Becken
Das ganze sieht natürlich nicht aus wie echter Stein, gefällt mir aber zu meinem Becken recht gut. Bei Schneckenbarschen hat man ja eher “Mondlandschaften”, da paßt so ein karger Stein genau. Man kann mit dieser Anleitung im Prinzip alles verwirklichen, seien es Krebs/Welshöhlen, Rückwände, Steine, Pflanzengefäße etc. Mein Sohn hat z.B. die Doppelhöhle gebaut, ich dann auf seinen Wunsch den Vulkan. (Er hat gerade seine Vulkanphase). In den Vulkan hab ich oben eine Schraube reingesteckt und danach wieder rausgenommen, jetzt hat er oben ein Loch durch den man noch Luftblasen rausblubbern lassen kann, aber das werd dich mir glaub ich sparen.
Es ist eine sehr einfach Bastelei, wo mir mein Sohn bei fast allen Arbeitsschritten helfen konnte. Man kann sicher noch mit anderen Oberflächenstrukturen und Farben Versuche machen, mal sehen ob ich dazu mal Lust hab. Ich bin mit meiner Einrichtung meines Beckens (bei dem es ja eigentlich um die Sandflächen für die Schneckencichliden geht) sehr glücklich.
Nach einem Monat ändert der Zement die Wasserqualität nicht mehr meßbar. Obwohl Zement sogar mehrere Jahre braucht um restlos auszuhärten, dürfte doch das meiste in den ersten paar Tagen geschehen. Das Wasser wird auch kaum mehr aufgehärtet und die Steine sind somit mit ausreichender Wässerung (mindestens ein Monat eher mehr!) sogar für ein Weichwasserbecken geeignet.
Arbeitsaufwand
in Summe ca. 3-4 Stunden aber mit Wässern auf mehrere Wochen verteilt.
Kosten
Fliesenkleber : 4 Euro
Abtönfarbe: 8 Euro
Styropor und Glasfasergewebe kriegt man als Abfälle
Summe: 12 Euro. Damit könnte ich aber noch ca. 10 Becken so ausstatten
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Sind die Steinaufbauten denn dann nicht innen hohl? Wenn da Wasser hineinkommt, entsteht doch sicher eine Art “Totwasserzone”, die evtl Probleme bereiten könnte. Oder denke ich da falsch?
LG
Fischtante
Hallo Fischtante,
Du denkst genau richtig. Ich glaube aber nicht, dass das Probleme macht. Meine Rückwände sind hinten offen. Nur der “Vulkan” und die “Doppelhöhle” sind zu. Glaube aber trotzem dass da ein gewisser Wasseraustausch durch Temperaturunterschiede etc. entsteht, sonst hätte wohl jedes Becken so eine tote Zone.
Ist aber auf jeden Fall ein interessanter Gedanke, den ich überhaupt nicht bedacht hab. Falls es Probleme gibt werd ich das natürlich ier berichten, aber wie gesagt derzeit glaub ich mal nicht dran.
Danke für den Hinweis & lg